Arbeitsgruppe Prof. Dr. E. A. Galinski
Forschungsprojekte Mitarbeiter Lehre Veröffentlichungen

links: Symbolische Darstellung eines Fermentationsreaktors
rechts: "Mikroben-Melk-Maschine"
Erläuterungen hierzu im Abschnitt Forschungsschwerpunkte
Einführung in das Forschungsgebiet
Die Arbeitsgruppe Galinski untersucht das biotechnologische Potential sogenannter extremophiler Mikroorganismen, die an (aus menschlicher Sicht) extreme Standorte angepaßt sind. Diese "Extremisten" besiedeln Lebensräume wie z.B. heiße Quellen, polare Regionen, Permafrostzonen, saure/alkalische/saline Gewässer und trockene Substrate wie z.B. durch Trocknen oder Kandieren bzw. Pökeln konservierte Lebensmittel.

Abb. 1: Extremophile Mikroorganismen (aus Joachim Czichos “What´s so funny about microbiology?”)
Dabei ist zu unterscheiden zwischen solchen Organismen, die ungünstige
Lebensbedingungen durch die Ausbildung von Sporen und anderen Dauerstadien
lediglich in einem Zustand latenten Lebens überbrücken, und denjenigen, die
aufgrund ihrer physiologischen Besonderheiten permanent an diese Bedingungen
adaptiert sind. Innerhalb der zweiten Gruppe lassen sich zwei Prinzipien
erkennen:
(a) Anpassung durch weitreichende Veränderungen des Enzymapparates
und der Zellstrukturen
(b) Anpassung aufgrund spezifischer physiologischer
Fähigkeiten zur Produktion bzw. Akkumulation von Schutzstoffen
Mikroorganismen, die die Strategie der Anpassung durch Schutzstoffe verfolgen, sind biotechnologisch interessant, da die von ihnen gebildeten bzw. genutzten Naturstoffe auch technisch Verwendung finden können (z.B. als Stabilisatoren in der Enzymtechnik, als wasserbindende Substanzen, zur Trockenkonservierung von biologischem Material etc.).
Forschungsschwerpunkte
Die Forschungsinteressen liegen sowohl auf grundlagen- als auch auf anwendungs-orientiertem Gebiet. Im Zentrum der Untersuchungen stehen zur Zeit extrem halophile und halotolerante Eubakterien, die durch Biosynthese oder effektive Transportmechanismen Streßschutzstoffe (sogenannte kompatible Solute) in großen Mengen anreichern.. Diese osmotisch aktiven Substanzen verhindern den Flüssigkeitsausstrom in das Medium (Austrocknen) und verdanken ihren Namen der Tatsache, daß sie auch in hoher cytoplasmatischer Konzentration (bis ca. 2 Molal) den Zellmetabolismus nicht beeinträchtigen. Man weiß inzwischen, daß kompatible Solute abgesehen von ihrer Funktion als stoffwechselverträgliche Osmotika auch wichtige Schutzfunktionen gegenüber Enzymen und Zellstrukturen übernehmen und in einem Milieu geringer Wasseraktivität (Trockenstreß) Hydrathüllen stabilisieren und biologische Aktivität bewahren
Unsere Arbeiten haben zu der Entdeckung geführt, daß bei Bakterien hauptsächliche Aminosäuren (und Derivate), Betaine und Ectoine die Schutzfunktion übernehmen. Bei den Ectoinen handelt es sich um eine bisher unbekannte Verbindungsklasse, die zumindest bei aeroben heterotrophen Bakterien zu den am häufigsten vorkommenden Verbindungen gehört. Die Ectoine sind für den Biotechnologen deshalb von besonderem Interesse, weil sie offensichtich besonders wirksame Schutzstoffe darstellen und trotz ihrer weiten Verbreitung in der Natur nur wenig über ihre chemischen Eigenschaften bekannt ist.

Abb. 2: Strukturformeln von Ectoin (I) und Hydroxyectoin (II)
Unter Ausnutzung des natürlichen Biosynthesepotentials und spezifischer Exportmechanismen von Produzentenstämmen wurde ein völlig neuartiges Produktionsverfahren entwickelt, das sogenannte Bakterienmelken (s. Abb.). Dabei macht man sich die natürliche Fähigkeit zunutze, daß durch plötzliches Verdünnen des hochsalinen Kulturmediums eine rasche Freisetzung der angereicherten kompatiblen Solute erzwungen werden kann. Auf diese Weise kann durch periodische Wechselschocks (Hochsalzmedium - Wasser) semikontinuierlich Ectoin "abgemolken" werden, ohne daß sich die eingesetzte Biomasse verbraucht. Das Verfahren wurde patentiert und wird von unserem Industrieparter (bitop GmbH, Witten) erfolgreich zur Massenproduktion von Ectoin im 1000-l Maßstab eingesetzt. Mögliche Anwendungen dieser Schutzsubstanz liegen im Bereich der Protein-, Membran- und DNA-Stabilisierung bzw. in der Verwendung als Feuchtigkeitsspender in Körperpflegemitteln.
Die weitere Forschung in diesem Bereich konzentriert sich darauf, die bisher noch nicht verstandenen Mechanismen der Stabilisierung von Biomolekülen aufzuklären, die Produktionsverfahren zu verbessern und die molekulare Regulation der Ectoinbiosynthese und der Transportmechanismen aufzuklären.

Abb. 3: Biosyntheseweg von Ectoin (2-Methyl-3,4,5,6-Tetrahydro-4-pyrimidincarbonsäure)
Das molekularbiologische Team meiner Arbeitsgruppe hat den Ectoin-Biosyntheseweg aufgeklärt, die Gene isoliert und in E.coli exprimiert. Wir konnten zeigen, daß durch die Übertragung der Fähigkeit zur Ectoinproduktion in sensitiven Organismen ein erhöhtes Maß an Osmotoleranz erzielt wird. Daraus eröffnet sich die Möglichkeit durch "Genetic Engineering" Salz- und Trockentoleranz auf andere Lebewesen (und möglicherweise auch auf Kulturpflanzen) zu übertragen.
Methoden und Techniken
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Prof. Dr. E.A. Galinski |
Abteilungsleiter |
E-mail, Tel.: 6472, Raum 104 |
|
Wiss. Mitarbeiter |
E-mail, Tel.: 3799, Raum 302 |
|
| Birgit Hecken | Sekretärin | E-mail, Tel.: 7716, Raum 103 |
| Monika Helbig | Sekretärin | E-mail, Tel.: 7716, Raum 103 |
| Birgit Amendt |
Technische Assistentin |
E-mail, Tel.: 7755, Raum 220 |
|
Marlene Hecker (EltZ) |
Technische Assistentin |
E-mail, Tel.: 7755, Raum 220 |
| Elisabeth Witt | Doktorandin | E-mail,Tel.: 6141, Raum 056 |
| Anne Korsten | Doktorandin | E-mail,Tel.: 7717, Raum 122 |
| Andrea Meffert | Doktorandin | Tel.: 6141, Raum 056 |
| Sinje Vielgraf | Doktorandin | Tel.: 7717, Raum 122 |
| Britta Seip | Doktorandin | Tel.: 7717, Raum 122 |
| Kati Sell | Doktorandin | Tel.: 6141, Raum 056 |
| Christoph Tanne | Doktorand | Tel.: 6141, Raum 056 |
| Jhonny Correa | Doktorand | Tel.: 7717, Raum 122 |
| Alexandra Grün | Diplomandin | Tel.: 7717, Raum 122 |
| Sarah Höfs | Diplomandin | Tel.: 7717, Raum 122 |
| Christina Möller | Diplomandin | Tel.: 7717, Raum 122 |
VORLESUNGEN
8193
Galinski Einführung in
die Biotechnologie
Do 12 -14 Uhr, Beginn Do 10.04.08
Hörsaal IfMB
BLOCKÜBUNGEN
Zeitgruppe II: 19.05.2008 - 13.06.2008
8380
Galinski, Microorganisms as
expression systems
Ludwig,
Pflichtpraktikum im Masterstudiengang
Kurz Molecular Biotechnology,
Blocklabor IFMB,
4st., 02.06.-13.06.08
LABORÜBUNG
8262 Galinski
Spezielle Methoden der Mikrobiologie
8 st. (n.A.), IFMB
SEMINARE
8286
Galinski Mikrobielle
Biotechnologie
Seminar für Diplomanden u.
Doktoranden
3 st., nach Vereinbarung,
IFMB
8288
Galinski Mikrobielle
Anpassungsmechanismen
d.
Kurz
Blockseminar 21.04.-25.04.08
n.V. 16-20 Uhr
Vorbesprechnug: 18.03.08, 16 Uhr c.t.,
Seminarraum IFMB
8287
Galinski,
Mikrobiologische Seminar
Fakoussa
Do 17-19 Uhr
Siehe Aushang zu Semesterbeginn!
Anmeldetermin bis 17.04.08 verlängert
(Bitte in Liste eintragen)
ANLEITUNG ZU SELBSTÄNDIGER WISSENSCHAFTLICHER ARBEIT
8349
Übungen, 2 st (n. A.), IFMB
Biochemie und Biotechnologie
extremophiler Mikroorganismen